Joachim Meyerhoff – Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Eigentlich hat er eine gemütliche Zeit im Zivilschutz in München geplant und meldet sich dort nur aus Neugier für das Vorsprechen an der Otto Falckenberg Schauspielschule an. Dass ausgerechnet er, der statt den vorgeschriebenen drei, nur mit einer Rolle vor der Jury aufkreuzt, es dann auch noch an diese Schule schafft; damit hätte er nicht in seinen wildesten Träumen gerechnet. So führt uns Joachim Meyerhoff mit der zweiten Fortsetzung seiner autobiographischen Romanreihe «Alle Toten fliegen hoch» in zwei aussergewöhnliche Welten: In die Welt seiner besonderen Grosseltern und in die Welt der etwas anderen Schule.

Der Tod seines mittleren Bruders liegt nicht allzu weit zurück, weshalb Meyerhoff in diesem Abschnitt seines Lebens noch nicht ganz mit diesem schweren Verlust abschliessen kann. Damit verbunden ist eine Suche nach seinem wirklichen Ich, also eine Identifikationssuche und eine gewisse Verwirrung, nicht zu wissen, was er in seinem Leben erreichen will, weshalb er sich auch dazu entschliesst, seine bisherige Heimat in Schleswig zu verlassen. Diese Probleme werden sich aber über das ganze Buch hindurchziehen und sogar durch den stressigen Schulalltag verstärkt auftreten, da den angehenden Schauspielern viel abverlangt wird. Nur in seinem neuen Zuhause, bei seinen Grosseltern, kann er ein bisschen hinunterfahren. Dies wird ihm durch die Tatsache erleichtert, dass seine Grosseltern täglich eine bizarr erscheinend grosse Menge an alkoholischen Getränken zu sich nehmen, wobei dieser Konsum genau durchgeplant ist und sie diesen Ablauf pedantisch befolgen. Meyerhoff hingegen ist sich diese Menge überhaupt nicht gewohnt, weshalb er jede Nacht volltrunken in seinem neuen Bett einschläft, wobei genau dies laut ihm der beste Schlaf gewesen sein, den er bis anhin hatte.

Es sind genau diese aussergewöhnlichen Grosseltern und daneben auch die komischen Anekdoten aus Meyerhoffs Schauspielschullalltag, die dieses Buch mit so viel Witz und Humor bestechen lassen, wobei von all den drei bisherigen Romanen, dies mit Abstand derjenige war, welcher mich am meisten zum Lachen und Schmunzeln gebracht hat. Dabei liess er mich immer wieder an meine eigenen Grosseltern denken, da manchmal diese typischen Klischees auftauchten, wie beispielsweise das mit dem schwerhörigen Grossvater, der alles falsch versteht oder mit den sich immerzu neckenden Grosseltern. Doch in meinem Fall musste ich immer merken, dass diese Stereotypen auch auf meine Grosseltern zutreffen, weshalb auch sie wahrscheinlich die lustigsten Figuren in meinem Familienkreis sind.

Aber Grosseltern sind noch viel mehr als witzig: Sie sind in der Regel diejenigen mit der meisten Lebenserfahrung, weshalb sie mit einer unvergleichbaren Weisheit und Intelligenz brillieren. Auch bei Meyerhoff helfen sie mit ihrer Lebenserfahrung, ihm den Weg zu weisen, wobei genau der in der Regel so stumme Grossvater ihm die Augen öffnet und ihm klarmacht, dass er bisher mit einer falschen Einstellung durch das Leben gegangen ist. Doch Meyerhoff soll dies erst später nach seiner Zeit auf der Schauspielschule so richtig feststellen, die für ihn übrigens eher im Negativen als im Positiven prägend war, aber dem Leser sehr amüsant vermittelt wird. Zu diesem Zeitpunkt befindet er sich dann aber schon in einer eher provinziellen Ortschaft, um als professioneller Schauspieler im dortigen Theater zu arbeiten. Hierbei handelt es sich allerdings eher um einen kurzen Abschnitt im Buch, da er relativ am Ende erscheint und weshalb der Roman sehr fokussiert über die Zeit  auf der Schauspielschule und seinen Grosseltern, aber auch über ihren, im Vergleich zu Meyerhoffs Bruder und Vater, späten Tod handelt. Aus diesem Grund gefällt mir dieser Teil auch besser als sein Vorgänger, da meiner Meinung nach in diesem ein bisschen zu viele verschiedene Abschnitte von seinem Leben vermischt wurden, doch ist es auch der mit den Grosseltern verbundene Witz, der dieses Buch bisher zu meinem liebsten unter Meyerhoffs Romanen macht.

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